21. Mai 1862
Dann schlief ich kurze Zeit und erwachte als Martha eben im Begriff
war herunter zu kollern. Von da an kämpfte ich zwischen schlafen und
wachen, um die Kleine zuzudecken, die immerfort ihre Reize enthüllte,
was der Kühle und zweier Damen wegen, die in Glogau hinzugekommen
waren, nicht wohl anging. [Martha ist 2 Jahre alt]
27. Mai 1862
Als wir hier ankamen und ich fragte: war Marthchen artig, erzählte
mir Gretchen in einem Athem: «erst hat sie Eier zerschlagen, dann die
Clärchen gestoßen u. der Rose ihren Spiegel zerschlagen.» Uebrigens
erzieh ich sie jetzt mit gutem Erfolg mit der Ruthe, sie hatte sich
nämlich angewöhnt, bei allem was ihr nicht recht war, sich lang auf
die Erde zu werfen.
21. Juli 1867
Auch ist Friedel [geboren 1864] jetzt etwas folgsamer, freilich
zeugen grün u. blaue Flecke auf seinem fetten Hintertheilchen wodurch
die Erziehungsresultate erzielt worden sind.
26. Juli 1867
Friedel bessert sich, ist aber ein von Natur sehr eigensinniges
Kind, der noch viel Klopse wird besehen müssen, ehe wir ihn zur
raison bringen.
1. August 1867
Der Friedel spielt am liebsten mit den Hofekindern, er ist gern der
Adler unter den Eulen. Vor einigen Tagen erwachte er sehr zärtlich,
kam in mein Bett u. versprach sehr artig zu sein. Als ich ihm sagte,
er solle sich nicht immer auf die Erde werfen, antwortete er: «ich
immer umfalle.» Dann war er eimal ganz wüthend als ich ihn strafte:
«du sollst mir schlagen nicht, das mein Fleisch weh thue»; er
beruhigte sich erst als ich ihm erklärte, ich prügelte den Bock
heraus, der im Fleische säße.
Fünfzehn Jahre später beschliesst sie einen
Brief an den lieben Friedel mit
Ich bin Dir sehr gut mein alter Fritz. Handle so, daß es immer so
bleiben kann.
Deine alte, alte Mutter [sie ist 58]
Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 18. Feb 2004