Diverse Ausgaben der NZZ
NZZ 110 15.5.2002 S. 62: mey über «Fazil Says
Zürcher Klavierabend»:
Die Ausbrüche im Stil archaisierender Ostinato-Gewalt fanden ein
Gegenüber, Lyrisches durfte sich in Nuancen des Anschlags und der
Phrasierung verzweigen.
[…]
Franz Lists Klaviertranskription von Präludium und Fuge in a-Moll
für Orgel senkte Say in einen satten Pedalteppich ein.
in der gleichen NZZ, S. 63: Peter Cossé über
Mozart-Aufnahmen Alfred Brendels:
Ohne jede Tempoforcierung, dabei brillant auf eine leicht schattige,
indirekte Art der Virtuosität, so geben sich die munteren,
Perpetuum-mobile-artigen Tonfolgen des Finales KV 332. […]
hingegen werden die weiten Landschaften des Adagios KV540 eine Nuance
gedrängter ausgehorcht. Auch im Verlauf der c-Moll-Sonate wird man
vergebens auf düstere Triebhaftigkeit warten. Schmerz und Melancholie
tragen hier die pastellenen Farben einer vornehmen Passion.
NZZ 150 2.7.2002 S. 54 Alfred Zimmerlin:
«La Valse», wienerisch ... doch dann wurde der mit einem
Kesseltreiben des Schlagzeugs veranstaltete Fortissimo-Höhepunkt
schauerlich in die Leere getrieben. Katzenhaft körperlich die Gestik
im Presto-Finale; ein Divertimento vielleicht, aber nicht minder
doppelbödig wie bei Ravel. Das Konzert wurde zur Ganzheit abgerundet:
ein Erlebnis.
NZZ 30 6.2.2003 S. 49: Martin Meyer zum 100.
Geburtstag des Pianisten Claudio Arrau
Den langsamen Satz von Beethovens viertem Klavierkonzert begann
Arrau im schlichten Klagegesang; doch das chromatische Auf und Ab der
linken Hand über der langen Trillerfigur riss er wie einen Ausruf des
Erschreckens in die lyrische Textur.
Martina Wohlthat in der NZZ vom 31.1.2006 über
ein Ereignis in der Zürcher Tonhalle
Schlicht und ergreifend
[…]Das Ohrwurm-Thema des Finalsatzes lud förmlich zum
Mitsummen ein, und selten hat man Schiff [den
Musiker-Dirigenten] so schalkhaft in die Tasten greifen sehen
wie im Schluss-Presto. – Das sinfonisch aufgefasste
Klavierkonzert in c-Moll KV 491 drängte heftig in die Nähe
Beethovens. Nach dem Kopfsatz voll innerer Erregung geriet der Beginn
des langsamen Satzes im Klavier etwas gar robust. Der letzte Satz war
ein düsterer Geschwindmarsch, dem es nicht an markigen Tönen fehlte.
Die Bläser erfüllten die Soli mit klanglicher Wärme, doch die
überdeutlichen Akzentuierungen verliehen der Musik vor allem
Unerbittlichkeit. Das als Zugabe gespielte Finale der
«Jupiter»-Sinfonie wirkte danach geradezu befreiend.
Die gleiche Anordnung mit dem frontal zum Orchester ausgerichteten,
deckellosen Bösendorfer erwartete das Publikum in der
Sonntagsmatinee. Souverän gliederte Schiff im «Jeunehomme»-Konzert
die Fülle der musikalischen Einfälle. Mit dem leichtfüssig
phrasierenden Orchester entstanden kammermusikalische Dialoge.
Schiffs Qualität als Mozart-Interpret erstrahlte in hellem Licht.
Seine Interpretation hatte nichts Aufgesetztes, sondern vermittelte
in der Feinstruktur der Verzierungen, der Anschlagsnuancen und der
Agogik die Einsichten dieses ebenso intuitiven wie detailgenauen
Musikers. Mozarts letztes Klavierkonzert in B-Dur KV 595 liess Schiff
wie auf einer Wolke schweben, was den abgeklärten Ausdruck des Werkes
mit einer Spur Distanziertheit traf.
[Der neue Mozart: Klavierkonzerte lassen Dirigenten auf Wolken schweben und ein abgeklärter Ausdruck wird mit Distanziertheit getroffen, wenn auch nur mit einer Spur – man muss förmlich mitsummen]
Mail an Martin Jucker
Zuletzt aktualisiert am 11. Februar 2006